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Wer sich aus ethnologischer Perspektive mit Verwandtschaft beschäftigt fragt nach den Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenhaltes, nach der Art und Beschaffenheit des "sozialen Kitts". Im Mittelpunkt dieses Bandes stehen Formen von Verwandtschaft, die durch Adoption oder durch die Nutzung assistierender Reproduktionstechnologien herbeigeführt werden. Diese Verwandtschaftsformen werden als "Aktiva" verstanden: als Ergebnis von Handlungen. Die Fragestellung lautet nicht: "Wie ist oder wie wird man verwandt?", sondern "Wie macht man Verwandte und Verwandtschaft?". Ethnographisch erforscht und beschrieben werden Routinen, die unterschiedliche Akteure im Umfeld von Berliner Kinderwunschpraxen und Istanbuler Tüp bebek Kliniken entwickeln, präzedenzlose Entscheidungen, die in Beratungsstellen für Regenbogenfamilien oder in Selbsthilfeorganisationen ungewollt Kinderloser getroffen werden, Akte des Austausches und der Kommunikation, durch die transnationale Netzwerke und Spielräume entstehen. Wissen um Gesetze und Genetik sowie Nicht-Wissen, beispielsweise um die Identität anonymer Spender, spielt bei diesen Projekten des Verwandtschaft-Machens eine konstitutive Rolle, aber auch materielle Infrastrukturen und transnationale Mobilität. Verwandtschaftsverhältnisse, die auf Adoption beruhen oder durch Technologien ermöglicht werden, stehen jedoch keineswegs in einem Gegensatz zu "normaler" oder "natürlicher" Verwandtschaft. Sie verdeutlichen lediglich in besonderer Art und Weise den Herstellungscharakter, welcher der sozialen Form "Verwandtschaft" immer innewohnt.
Je ungewisser die Zukunft, desto gegenwärtiger die Vergangenheit. Längst sind es nicht mehr die nationalsozialistischen Bunker-Geschichten allein, deren Abgründigkeit uns in die Vergangenheit lockt. Unerwartet drängt ein Gebilde in das Bewußtsein, auf dessen Charisma einst nicht viele gewettet hätten. Die alte Bundesrepublik erlebt ihre Renaissance - 15 Jahre, nachdem das westdeutsche Provisorium mit der Wiedervereinigung ihr Ende fand. Nach dem Mythos Berlin (1983) und den Deutschen Mythen (1984) widmet sich dieses Ä&K-Doppelheft nunmehr dem Mythos Bundesrepublik. Hier sind Themen aufgegriffen und analysiert, die zur Mythengeschichte der Bundesrepublik gehören - Geschichten, die das Potential besitzen, in wandelbarer Form weitererzählt zu werden. Der Mensch ist seine Geschichte. Kollektive können sich nur über das definieren, was ihr gemeinsamer Haushalt, ihr gemeinsames Reservoir an Geschichten hergibt. Unübersehbar befinden wir uns inmitten eines bundesrepublikanischen Mythisierungsprozesses. Dieser ist weder verwerflich noch eine Gefahr. Man sollte ihm lediglich auf der Spur bleiben.
Das Heft nähert sich aus unterschiedlichen disziplinären und geographischen Perspektiven dem Phänomen des Transfers – dem multidimensionalen, reziproken Austausch zwischen nationalen und transnationalen, auf sozialer, kultureller, ökonomischer oder diskursiver Ebene operierenden Räumen und Akteuren. "Lokalisieren" versteht sich dabei bewusst mehrdeutig: Auf einer forschungspragmatischen Ebene geht es darum, Transferprozesse in der Empirie der Fallstudie analytisch zu verorten. "Lokalisieren" verweist auch auf die Rolle des konkreten Raumes: Unter welchen spezifischen lokalen Bedingungen lassen sich Transferprozesse verorten, auf welche Resonanz treffen sie in bestimmten Kontexten? Damit verbunden sind Fragen nach Aneignungs- und Transformationsprozessen durch Domestizierung, Indigenisierung und Hybridisierung, aber auch nach einer Verräumlichung von Transfer (etwa in Form von Denkmälern und Gebäuden) oder seiner Enträumlichung (etwa durch Prozesse der Kosmopolitisierung). Schließlich soll "Transfer lokalisiert" auch das fast paradox anmutende Spannungsverhältnis beleuchten zwischen dem dynamischen Charakter von Transfer und der in vielen Untersuchungsdesigns konstruierten Annahme von weitgehend autochthonen Traditionen: Die Grenzen zwischen ‚traditionell’ und ‚indigen’ auf der einen Seite und ‚modern’ und ‚ausländisch’ (oder ‚westlich’) auf der anderen verschwimmen aus der Transfer-Perspektive und konstituieren sich je nach Kontext und Akteursinteressen immer wieder neu.
The present volume analyses the actual processes by which liberal ideas and modern educational and cultural projects traveled to, and were institutionalized in, the Latin American context during the post-independence period. It comprises a number of essays that pay attention to the process of importing specific ideas to particular contexts, and to the peculiar dynamics of that communication. Although diverse in theme and methodological approach, all of the studies that make up this volume focus on the typical features characterizing the selection, appropriation and utilization of imported political discourses and institutions, models of schooling and cultural practices. Each of the contributors follows the circulation and appropriation of specific European "ideas" and "models", and discusses the social and cultural characteristics of the process of communication that shaped that circulation.
Zuerst waren es Expeditionen, die den schwarzen Kontinent erforschen sollten. Dann kamen die Soldaten und schließlich die Beamten. Doch glatt verlief die Kolonialisierung Deutsch-Ostafrikas nicht. Michael Pesek schildert den Kontakt der Deutschen mit einer fremden Kultur und die damit verbundenen Missverständnisse und Fantasien, die sich auch in den Geschichten und Bildern spiegeln, die aus Afrika nach Deutschland gelangten. Die säbelrasselnden Herren und kaiserlichen Beamten waren zudem nicht immer so mächtig, wie es schien – was in Berlin ersonnen wurde, taugte im afrikanischen Alltag nicht viel. Es zeigt sich, dass die Kolonialherrschaft in Ostafrika auch ein Fantasiegebilde war, ein Diskurs, der Stereotypen reproduzierte und in dem Moment zu kollabieren begann, als die Deutschen Afrika begegneten.