Veranstalter: Arbeitsgruppe „Repräsentationen auf Reisen“ des
Sonderforschungsbereiches 640 „Repräsentationen sozialer Ordnungen im
Wandel“, Humboldt-Universität zu Berlin
Termin: 02.-03.12. 2005
Der an der Berliner Humboldt-Universität angesiedelte SFB 640 befasst
sich schwerpunktmäßig mit dem interkulturellen und intertemporalen
Vergleich von Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel.
Die Arbeitsgruppe Repräsentationen auf Reisen versteht sich
als eine Werkstatt wissenschaftlicher Forschungspraxis und ein Forum
des interdisziplinären Vergleichs. Neben theoretischen und
methodologischen Debatten steht die Arbeit an konkreten empirischen
Beispielen im Vordergrund. Reisen finden wir zu allen Zeiten
menschlicher Geschichte und in allen Gesellschaften. Die Mitglieder der
AG untersuchen historische Situationen, in denen neue soziale Ordnungen
erst beginnen, die von ihr beanspruchten Räume zu durchdringen und mit
einer Infrastruktur zu überziehen. Zudem betrachten sie
Konstellationen, in denen Herrschaft als peripatetisch aufgefasst wird,
d.h. die Herrschenden selbst oder deren Abgesandte von Zeit zu Zeit das
Land durchstreifen, um ihre Autorität in Szene zu setzen.
Reisen haben abgrenzbare Dramaturgien – immer gibt es einen Anfang
und ein Ende –, und sie lassen sich in bestimmte Sequenzen unterteilen,
die sich besonders gut als tertium comparationis eignen. Den ersten Teil einer geplanten Workshop-Reihe bildet das Thema „Ankunft“.
Die Inszenierung der Ankunft von Reisenden gehört in vielen
Gesellschaften zum Repertoire politischer und sozialer Repräsentation.
Der Moment der Ankunft eröffnet den Blick für das Aufeinandertreffen
unterschiedlicher Repräsentationen – sowohl aus der Perspektive der
Ankommenden als auch derjenigen, die „bereist“ werden. Abhängig davon,
ob es sich um gebetene oder ungebetene Gäste handelt, Szenarien der
Ankunft sind Produkte unterschiedlicher oder auch uniformer
Ordnungsvorstellungen der beteiligten Akteure.
Verschiedene Stufen von Ritualisierung und Ästhetisierung
verweisen auf die Zusammenhänge zwischen Mobilität, Raum, sozialen und
politischen Strukturen und Repräsentationsbedürfnissen. Sie sind
Momente der Aushandlung bestimmter Ordnungsvorstellungen, was
in besonderem Maße für peripatetische Herrschaftsformen gilt.
Ankommende und Empfangende können zu einer gemeinsamen symbolischen
Sprache finden, sie können aber auch darin scheitern. Wie jede
Repräsentationspraxis sind die Situationen offen für verschiedene
Interpretationen seitens der beteiligten Akteure. Erfolg wie Misserfolg
von Ankunftszeremonien und -ritualen wirken wiederum auf die soziale
Ordnung. Sie können bestehende Ordnungen perpetuieren; sie können sie
aber auch zu deren Erosion beitragen. Und zwischen diesen beiden Polen
mag ein weites Feld von Ambivalenz liegen. Gegenstand des Workshops
soll nicht nur die tatsächliche Ankunft von Herrschern oder deren
Repräsentanten sein, vielmehr wollen wir auch imaginierte Szenarien der Ankunft in
den Blick nehmen. In sozialistischen Gesellschaften spielte die
Metapher der Ankunft als historische Zielvorstellung eine große Rolle.
Politische Mythen thematisieren mitunter Besuche bei Herrschern, die
nie stattgefunden haben. Auch anhand solcher Beispiele von Ankunft
lassen sich Relationen von Raum- und Zeitvorstellungen sowie
divergierende Repräsentationen fokussiert herausarbeiten.
Die Beiträge zum Workshop können sich einem der folgenden Schwerpunkte zuordnen:
A) Mobilität und Nomadismus
B) Peripatetische Herrschaft
C) Reise als Metapher für soziale Veränderung
D) Medialisierung von Reisen
Quer zu den genannten Aspekten soll auch der Infrastruktur sowie
den Reisetechnologien als konstituierende Rahmenbedingungen für
Repräsentationen auf Reisen Aufmerksamkeit zuteil werden.
Die Vortragstexte sollten nicht mehr als 10 Seiten umfassen, die Länge der Vorträge ist
auf 15 Minuten begrenzt. Alle Referentinnen und Referenten werden
gebeten, ihre Vortragsmanuskripte bis zum 15.11.2005 einzusenden, damit
sie allen Teilnehmenden vorab zur Verfügung gestellt werden können. Die
Ergebnisse des Workshops sollen in einem Sammelband publiziert werden.
Bitte senden Sie den Veranstaltern bis zum 20.10.05 einen vorläufiges Abstract (max. 1.000 Zeichen) mit Titel.
Kontakt:
Annika Stegemann
SFB 640 "Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel"
an der Humboldt-Universität zu Berlin
Postanschrift
Unter den Linden 6
10099 Berlin
mail: rocketfrog@web.de tel: +49 (030) 2093-4984 fax: +49 (030) 2093-4893