Tagung
„Vormoderne Parlamentsoratorik: Reden und Kommunikation auf europäischen Repräsentativversammlungen des 14. bis 17. Jh.“
Berlin, Humboldt-Universität, 12.-14. Oktober 2006
Mohrenstr. 40/41, 10117 Berlin, Raum 211
Tagungsberichte:-
Tagungsbericht auf HSozUKult [link]
- Artikel in der FAZ vom 13.2. 2007 [pdf]
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Veranstalter der Tagung: Sonderforschungsbereich 640 „Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel. Interkulturelle und intertemporäre Vergleiche“, Teilprojekt A1 „Oratorik auf europäischen Reichs- und Ständeversammlungen des späten Mittelalters und der beginnenden Neuzeit als Repräsentation politisch-sozialer Ordnungen im Vergleich“ (Leiter: Prof. Dr. Johannes Helmrath, Wiss. Mitarbeiter: Dr. des. Jörg Feuchter)
Das Konzept der Tagung:
Deutsche Reichstage, französische États généraux und provinciaux, das englische Parliament, spanische Cortes und der polnische Sejm – ganz Europa sieht ab dem Spätmittelalter Ständeversammlungen, denen bei aller regionalen Spezifik der Entstehung und Konsolidierung ein wichtiges Moment gemeinsam ist: die Beratung über Angelegenheiten der jeweiligen Gesellschaft. Verschiedene Gruppen verhandeln hier politische, wirtschaftliche und kulturelle Positionen; sie tragen ihre Repräsentationen, also ihre Vorstellungen vom Ist- wie vom Soll-Zustand, des Gemeinwesens vor. Ganz grundsätzlich heißt das: sie reden und sie hören reden. Mit den Ergebnissen dieser Kommunikation befaßt sich die Ständeforschung seit geraumer Zeit. Das Reden selbst hingegen, seine Anlage, Darbietung und die unmittelbare Reaktion des Auditoriums – all diese Aspekte, die sich in Anlehnung an den englischen Begriff der „oratory“ als „Oratorik“ bezeichnen lassen, haben bis heute keine umfassende Würdigung erfahren.
Auf der Tagung sollen deshalb erstmals Ort und Funktion von politischer Rede und mündlicher Kommunikation auf europäischen Reichs- und Ständeversammlungen des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit Gegenstand des internationalen wissenschaftlichen Austausches werden. Das Ziel ist, den komparatistisch-verfassungstypologischen Ansatz, wie ihn die „International Commission for the History of Representative and Parliamentary Institutions“ vertritt, zu verbinden einmal mit der Rhetorikforschung, zum anderen mit der Ritual- und Zeremonialforschung. Gegenstand sind europäische Repräsentativversammlungen aller Art, sowohl nationale wie partikulare (provinziale), ausgeprägt ständische wie nichtständische, zeremoniell-akklamative wie deliberativ-agonale.
Es sollen drei Leitfragen verfolgt werden:
1) Die Überlieferung: Inwiefern liegen längere geformte Wortbeiträge, liegen Reden oder Berichte über Reden überhaupt vor? Und in welcher Form der Verschriftlichung wird uns die Mündlichkeit präsentiert?
2) Der Ort der Oratorik: Wo ist ihr Platz in den verschiedenen europäischen Versammlungstypen innerhalb des Tagungsprocederes? Welche Stelle kommt der Oratorik im Rahmen anderer mündlicher Kommunikationsformen im weiteren Sinne zu (Meinungsäußerungen, Umfragen, Debatten, Formen der Akklamation oder des Mißfallens etc.)?
3) Die Funktion der Oratorik: Welche Rolle spielen die Rede und das Reden bei der Repräsentation konsens- und sinnstiftender politiktheoretischer Konzepte für das Gemeinwesen oder für partikulare Gruppen bzw. Stände? Ging es um „persuasion“ oder „nur“ um „celebration“ (Thomas N. Bisson) oder um beides zugleich? Welche Wirkungen waren beabsichtigt, welche lösten Reden tatsächlich auf den Versammlungen aus? Und vermag die Oratorik gar als Indikator für den Stand der Versammlungsgenese zu dienen, gemäß dem Theorem, daß das Gedeihen der Rhetorik jeweils an die politische Verfassung nach dem Grad der herrschenden Freiheit gebunden sei (Tacitus, Dialogus de oratoribus)?
Organisation:
Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch.
Das Tagungsprogramm beginnt Donnerstag, 12. Oktober 2006 am späten Nachmittag mit einer Führung durch das Berliner Reichstagsgebäude, einschließlich der Kuppel, und einem Vortrag von Dr. Heinrich Wefing (Frankfurter Allgemeine Zeitung) zur Geschichte des Reichtags. Anschließend Empfang mit Abendessen. Am Samstag, 14. Oktober, endet das Programm voraussichtlich gegen 14 Uhr..
Kontaktadresse:
Prof. Dr. Johannes Helmrath/ Dr. des. Jörg Feuchter
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Geschichtswissenschaften
Lehrstuhl Mittelalterliche Geschichte II
Unter den Linden 6, D-10099 Berlin
Tel. ++49 +30 2093 2228
Fax. ++49 +30 2093 2479