Sonderforschungsbereich 640
Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Teilprojekt A4: Zeremonielle Pädagogik

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Zeremonielle Pädagogik in post-revolutionären Gesellschaften: Öffentliche Inszenierung und soziale Mobilisierung in Meiji-Japan, in der frühen Sowjetunion und im Mexiko der 1920er–1930er Jahre

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Jürgen Schriewer; Prof. Dr. Jörg Baberowski. Wissenschaftliche Mitarbeiter: Matthias Braun, MA; Carlos Martinez, MA; Daniel Hedinger, MA; Dr. Eugenia Roldan Vera

Der Titel „Zeremonielle Pädagogik“ entstammt den Arbeiten zur Französischen Revolution von Mona Ozouf und Christian Harten. Der Sache nach verweist dieser metaphorische Ausdruck auf die mediale Repräsentation von Programmen für die umfassende Neu-Ordnung ganzer Staaten und Gesellschaften, wie sie typischerweise im Zusammenhang mit revolutionären Umbrüchen entworfen und politisch umgesetzt wurden.

Als „post-revolutionäre Gesellschaften“, die unter diesem Gesichtspunkt als fruchtbare Vergleichsfälle dienen, sollen im Teilprojekt untersucht werden: Japan im Gefolge der Meiji-Revolution von 1868 bis etwa 1912 (Bearbeiter: Daniel Hedinger), die Sowjetunion der 1930er Jahre (Bearbeiter: Matthias Braun) sowie Mexiko nach der Revolution von 1910 bis ca. 1940 (Bearbeiter: Carlos Martínez).

In allen drei Vergleichseinheiten verbinden sich mit dem Einsatz der als „Zeremonielle Pädagogik“ bezeichneten Repräsentationsformen spezifische Intentionen. Denn sie sind in Gestalt von öffentlichen Festen, von Architektur und Raumarrangements, kollektiven Ritualen, visuellen Medien oder von choreographischen Inszenierungen darauf angelegt, umfassende Neuordnungs-Entwürfe, die kontrafaktisch gegen die hergebrachten gesellschaftlichen Strukturen gerichtet sind, – einschließlich der solche Entwürfe legitimierenden Ideologien oder (Geschichts-)Mythen – breitenwirksam zu vermitteln und sozialisatorisch zu verankern. Aufgrund solcher Intentionalität werden im Rahmen dieses Projektes nicht nur die auf soziale Ordnungen verweisenden („dar-stellenden“) und die soziale Ordnung ihrerseits konstituierenden („her-stellenden“) Aspekte von Repräsentation angesprochen. Was gleichermaßen im Zentrum der Analysen stehen wird, sind vielmehr auch die solchen Repräsentationen zugeschriebenen Potentiale visueller Beeindruckung, emotionaler Überwältigung und/oder bewusstseinsformender Ausstrahlung. In diesem Sinne wird das Projekt vorzugsweise auf den instrumentellen Stellenwert der untersuchten Formen „zeremonieller Pädagogik“ eingehen und ihre Wirkungsmächtigkeit in Bezug auf Fragen kultureller Homogenisierung, gesellschaftlicher Integration, sozialer Mobilisierung und/oder politischer Systemkonsolidierung analysieren.


Lehrstuhl Prof. Dr. Jürgen Schriewer

Lehrstuhl Prof. Dr. Jörg Baberowski


Wissenschaftliche Mitarbeiter:

Matthias Braun, MA

Carlos Martinez, MA

Daniel Hedinger, MA

Dr. Eugenia Roldan Vera


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