Sonderforschungsbereich 640
Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Teilprojekt B2

Macht und ihre Repräsentation in der afrikanischen Moderne

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Andreas Eckert
Wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen:
Dr. Michael Pesek, Susann Baller

Das Projekt B2 untersucht den Wandel politischer Repräsentationen im subsaharischen Afrika über einen Zeitraum von mehr als achtzig Jahren. Dieser Zeitraum war von tiefgreifenden Transformationen der sozialen und politischen Ordnungen der untersuchten Gesellschaften geprägt. Europäischer Kolonialismus und Dekolonialisierung bilden dabei den zeitlichen Rahmen der Fallbeispiele. Im Mittelpunkt steht eine historische Analyse der Ikonographie öffentlicher Repräsentationen des Politischen. Der Wandel in den Repräsentationssystemen der afrikanischen Gesellschaften ging einher mit vielfältigen Transfers von Fragmenten ganz unterschiedlicher Repräsentationskulturen. In der lokalen Aneignung dieser Fragmente vor dem Hintergrund tradierter Repräsentationssysteme sehen wir die Herausbildung spezifischer lokaler Modernen.

In den Fallbeispielen der Projekte „Der Körper des Königs im Zwischenseengebiet“ und „Politiker auf Reisen“ werden zu Beginn drei Formen der Repräsentation sozialer Ordnungen untersucht. Hier geht es sowohl um die Repräsentation politischer und religiöser Ordnungen als auch um die Repräsentationen von Ethnizität gesellschaftlicher Praxen. Die von uns untersuchten Gesellschaften waren von tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Transformationen betroffen. Dieser Wandel vollzog sich in einem relativ kurzen Zeitraum. Wofür beispielsweise europäische Gesellschaften mehrere hundert Jahre Zeit hatten, den Wandel von einer feudalen und autokratischen Staatsverfassung zu einem modernen Verwaltungsstaat, vollzog sich in Afrika in nur drei Generationen. Dieser rapide Wandel erzeugte Brüche und Fragmente von Wandel. Es geht uns hier nicht um althergebrachte Dichotomien, nicht um eine Teilung in Vormoderne, Moderne und Postmoderne. Wenn wir von afrikanischen Modernen sprechen, haben wir die vielfältigen Ausprägungen des Wandels in den von uns untersuchten afrikanischen Gesellschaften im 20. Jahrhundert im Blick. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die afrikanischen Modernen – im übrigen ähnlich der Herausbildung der europäischen Modernen – Produkte von Transfer- und Aneignungsprozessen waren. Die von uns untersuchten Fallbeispiele waren von einer Verschränkung unterschiedlicher Repräsentationssysteme geprägt, zwischen denen vielfältige Transfers stattfanden. Wir gehen davon aus, dass die Frage nach der Hegemonie eines Repräsentationssystems in unseren Fallbeispielen nicht immer eindeutig beantwortet werden kann. Unsere Arbeitshypothese spricht eher von einem Nebeneinander verschiedener Repräsentationssysteme, die auf vielfältige Weise miteinander interagierten. Für uns sind daher Übersetzungen und Transfers zwischen diesen Repräsentationssystemen von zentraler Bedeutung.

Diese Verschränkungen von multiplen Repräsentationssystemen, die erst durch unterschiedliche historische Akteure in die Praxis umgesetzt werden mussten, ermöglicht uns neue Perspektiven auf den transkontinentalen oder translokalen Vergleich. Hier profitieren wir von den spezifischen historischen Situationen, in denen unsere Fallbeispiele angesiedelt sind. Sie sind von einem Nebeneinander multipler Transferströme und historischer Akteure geprägt. Wir haben es nicht nur mit Transfers von Europa nach Afrika zu tun (wobei hier wiederum zwischen den einzelnen europäischen Kolonialmächten, die in den Fallbeispielen eine Rolle spielten, zu unterscheiden wäre) sondern auch mit translokalen Transfers innerhalb Afrikas oder transkontinentalen Transfers zwischen Afrika und Asien. Indem wir die Transferprozesse untersuchen, bieten sich uns vielfältige Möglichkeiten des Vergleichs.


Projektleiter Prof. Dr. Andreas Eckert

Wissenschaftliche Mitarbeiter/-innen:

Dr. Michael Pesek

Karen Krüger, MA.


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