Sonderforschungsbereich 640
Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Teilprojekt C2
        

Berufliche Deutungsmuster und Ausbildungsstrukturen im Vergleich. Untersuchungen zu Hispanoamerika (Argentinien) und Ostasien (China),

Teilprojektleiter: Prof. Dr. Jürgen Schriewer.
Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen:
Verónica Oelsner (Argentinien), Barbara Schulte (China), Jana Tschurenev

 
Dieses Teilprojekt geht den Voraussetzungen und Formen von Prozessen der Systembildung beruflicher Ausbildungsstrukturen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten nach. Es beschäftigt sich dabei in erster Linie nicht mit angenommenen oder tatsächlichen Abhängigkeiten beruflicher Ausbildungsstrukturen vom Wandel in Technologie und Arbeitsorganisation. Ausgangspunkte sind vielmehr bereichs-spezifische Gestaltungsprobleme beruflicher Ausbildung, wie sie sich aus ihrer prekären Lage im Überschneidungsbereich unterschiedlicher gesellschaftlicher Teilsysteme – von Erziehung und von Wirtschaft – ergeben. In der europäischen Krisendiskussion des 19. Jahrhunderts wurden diese Gestaltungsprobleme als "innere Ordnungsprobleme" beruflicher Ausbildung bezeichnet (Lorenz von Stein). Mit modernen Theoriemitteln (wie der Theorie funktionaler Differenzierung bzw. der Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien) lassen sie sich als Probleme sowohl der Artikulation wie der Durchsetzung kollektiver Verbindlichkeiten für eine in einzelbetriebliche Wirtschaftstätigkeit eingelagerte Berufsausbildung rekonstruieren.
Berufliche Deutungsmuster – verstanden als gesellschaftsweit akzeptierte Repräsentationen von "beruflichem", d.h. spezifisch zugeschnittenem und qualifiziertem, Arbeitsvermögen – haben genau hier ihren Stellenwert. Denn Repräsentationen beruflichen Arbeitsvermögens bezeichnen die unentbehrlichen semantischen (im Unterschied zu den rechtsförmigen) Vorraussetzungen für die erfolgreiche Bewältigung der genannten Ordnungsprobleme. Wie gerade die deutsche Entwicklung zeigt – die deutsche "Berufs“-Begrifflichkeit fungiert geradezu als "organisierendes Prinzip" der Berufsbildung (Harney, Deißinger) – sind gesellschaftsweit sanktionierte Repräsentationen beruflichen Arbeitsvermögens keineswegs selbstverständlich. Sie sind in hohem Maße kulturspezifisch, d.h. in weit zurückreichenden semantischen Traditionen verwurzelt. Und sie sind geprägt durch kollektive Verarbeitungen von sozialen und ökonomischen Wandlungsprozessen.
 
Die Wahl der beiden Vergleichseinheiten Lateinamerika/Argentinien bzw. Ostasien/China hat genau hier ihren vergleichsmethodischen und systematischen Stellenwert. Sie erlaubt zum einen die vergleichende Rekonstruktion der Herausbildung berufsbezogener Repräsentationen aus ganz unterschiedlichen sozial-historischen und semantischen Voraussetzungen. Zum anderen erlauben diese Vergleichseinheiten die Analyse der Überformung – oder "Hybridisierung" – autochthoner Deutungstraditionen durch sukzessive Transferprozesse im Kontext von kolonialer Dependenz, europäischer Expansion des 19. Jahrhunderts, zunehmender Industrialisierung und ökonomischer Globalisierung, sowie schließlich der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.
 

Lehrstuhl Prof. Dr. Jürgen Schriewer

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen:
Verónica Oelsner, MA
Barbara Schulte, MA
Jana Tschurenev


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