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Daniel Hedinger
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Sonderforschungsbereich 640 (SFB 640) – TP A4
Sitz: Mohrenstr. 40/41 Raum 323
Tel.: +49 30 / 2093-4800
Fax: +49 30 / 2093-4893
Email: daniel.hedinger@rz.hu-berlin.de
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Mitarbeiter im Teilprojekt A4 „Zeremonielle Pädagogik in post-revolutionären Gesellschaften“
Lebenslauf
- 1976 Geboren in Zürich
- 2000 Abschluss der "Licence de langues, littératures et civilisations etrangères, spécialisation Japonais" am "Institut national des langues et civilisations orientales" in Paris
- 2001-2004 Wirtschaftsredaktor beim Tages-Anzeiger in Zürich
- 2002 Halbjähriges Forschungsstipendium an der Dôshisha Universität in Kyôto
- 2004 Abschluss des Lizenziats an der Universität Zürich in Geschichte und Japanologie Magisterarbeit über „Moderne und Macht im Japan der frühen Meiji-Zeit am Bespiel von Fukuzawa Yukichis Werk seiyô jijô“
- Seit 2004 Mitarbeit im Teilprojekt A4 „Zeremonielle Pädagogik“ des SFB „Repräsentationen sozialer Ordnung im Wandel“ Forschungsschwerpunkt: Das Ausstellungs- und Museumswesen im Japan der Meiji-Zeit
Publikationen
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Daniel Hedinger (zusammen mit Christoph Gumb), "Aus der Perspektive des
Schlachtfeldes: Krieg, soziale Ordnung und Imperium. Japan und Russlands",
in: Jörg Baberowski, David Feest, Christoph Gumb (Hrsg.), Das Imperium in
der Provinz, Frankfurt am Main (Campus), 2008.
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Daniel Hedinger, "Im Dienste der Nation. Hygiene, Biopolitik und Moderne
im Japan der Meiji-Zeit", in: Jörg Baberowski, David Feest und Maike
Lehmann (Hrsg.), Begegnungsräume, Frankfurt am Main (Campus), 2008.
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Daniel Hedinger, "'Fighting a Peaceful War': Japan at World Exhibitions in
the 1860s and 1870s", in: Volker Barth (Hrsg.), BIE Bulletin 2006,
Innovation and Education in Expos, (75th anniversary of the Bureau
International des Expositions), S. 71-94.
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Daniel Hedinger, "'Keines unserer Leben ist verschwendet, wenn wir auf dem
Schlachtfeld sterben' Militärausstellungen und Erinnerungsfeste im Japan
der frühen Shôwa-Zeit", in: Journal of Modern European History, (2006) 1,
S. 114-132.
Schwerpunkt im Teilprojekt
Ausstellungen als Repräsentationen sozialer Neuordnungen im Japan der Meiji-Zeit
Mit der Meiji-Revolution öffnete sich Japan Richtung „Westen“. In der post-revolutionären Phase, die Jahrzehnte dauerte, wandelte sich die Gesellschaft des zuvor über Jahrhunderte abgeschotteten Landes grundlegend: Zu den revolutionären Reformprojekten zählte, neben der Schaffung eines zentralisierten Staates, die Auflösung des Ständesystems und die Einführung der allgemeinen Schul- und Wehrpflicht. Im Rahmen dieses Teilprojekts soll anhand des Phänomenbereiches Ausstellungen untersucht werden, welche Rolle zeremonielle Pädagogik – also ausserschulische Erziehung – in den Programmen der Revolutionäre bei der Etablierung einer sozialen Neu-Ordnung spielte.
Delegationen japanischer Politiker, Diplomaten, Intellektueller und Studenten bereisten in dem Jahrzehnt vor und nach der Meiji-Revolution Europa und Amerika. Wichtige Stationen ihrer Reisen waren Weltausstellungen, an denen der „Westen“ seine zivilisatorische Mission ebenso wie seine technische, wirtschaftliche und militärische Überlegenheit zu demonstrieren suchte. Die an Ausstellungen propagierte Modernisierung erschien den japanischen Gesandten als Vision einer eigenen, zivilisierten Zukunft, ihre Implementierung in Japan als Garant für Fortschritt und nationale Unabhängigkeit.
Zurück in Japan galt es, das erworbene und übersetzte Wissen umzusetzen. Als Ort der Umsetzungen diente unter anderem die Institution der Ausstellung. Diese wurden ab den frühen 1870er-Jahren im ganzen Land von der Meiji-Regierung geplant und organisiert. Ausstellungen waren somit ein unmittelbar nach der Revolution aus dem Westen importiertes Konzept, ein Produkt der Meiji-Zeit, welches unterschiedliche Funktionen hatte: Während in Übersee die Teilnahme an Weltausstellungen dem Wissenserwerb und zur Präsentation Japans als „zivilisierte“ und „moderne“ Nation diente, waren Ausstellungen im Inland ein Instrument der Volkserziehung, kulturellen Homogenisierung und politischen Machtkonsolidierung.
Die Ausstellungen sollten nicht nur die neue, post-revolutionäre Ordnung repräsentieren, sondern der Bevölkerung von einer verheißungsvollen Zukunft künden und sie somit davon überzeugen, dass sich die für die Nation zu erbringenden Opfer lohnten. In vielen Fällen machten erst die Ausstellungen die mit der Öffnung des Landes einhergehenden Umbrüche und Modernisierungsbestrebungen für die Menschen sichtbar. Es galt, die unwissende Bevölkerung zu erziehen und zu zivilisieren. Auf diesem Hintergrund hatten die Ausstellungen einen stark pädagogischen Charakter. Ein behandelter Aspekt wird die in den Ausstellungen repräsentierte und gleichzeitig sich konstituierende Vorstellung von bunmeikaika – also „Zivilisation und Aufklärung“ – sein. Die Ausstellungen dienten den neuen Machthabern dazu, ihre Vision von einer zivilisierten und aufgeklärten Zukunft der noch in der Vergangenheit verhafteten Bevölkerung zu präsentieren und zu propagieren. Thematisiert werden soll in diesem Zusammenhang insbesondere auch das Potential visueller Beindruckung und emotionaler Überwältigung, welche Ausstellungen stärker als andere Medien kennzeichnet. Die Fragestellung lautet: Wie wurde eine für Japan wünschenswerte, aber noch imaginäre Zukunft an den Ausstellungen der Meiji-Zeit dargestellt? Und wie wurden „Zivilisation“, „Moderne“ und „Aufklärung“ – wie die Programme der sozialen Neu-Ordnung von den Akteuren selbst betitelt wurden – an den Ausstellungen repräsentiert?
Die Ausstellungen dienten ihren Machern jedoch nicht nur als Plattform ihrer Visionen und Träume. Zusätzlich waren Ausstellungen Institutionen, die beim Transfer westlichen Wissens nach Japan und bei der Implementierung dieses Wissens eine entscheidende Rolle spielten. Dabei hatte das präsentierte Wissen ebenso wie die ausgestellte Ordnung dieses Wissens einen stark erzieherischen Charakter. Die Erziehungsfunktion der Ausstellungen war umso wichtiger, als in den ersten Jahrzehnten nach der Meiji-Revolution ein Grundschulwesen erst im Entstehen begriffen war. Für diesen Aspekt stellt sich die Frage: Wie wurde Wissen an den Ausstellungen präsentiert, wie war es geordnet? Welche Formen zeremonieller Pädagogik sind festzustellen?
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