Sonderforschungsbereich 640
Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Enträumlichter Transfer? Austauschprozesse in spezialisierten Teilöffentlichkeiten am Beispiel europäischer Historiker im 20. Jahrhundert
 
Susan Rößner
 
Für kulturelle Austauschprozesse wird, sowohl was die geographische Verortung der Transferhandlungen selbst als auch die Referenzpunkte der Transferakteure betrifft, häufig ein klar be-grenzter, meist nationalkultureller Bezugsrahmen angenommen. Jedoch wird für kleine Gruppen mit spezifischem Sprachcode gleichzeitig von der Möglichkeit ausgegangen, dass sie einen transnationalen diskursiven Raum gebildet haben, der geographischen Zuschreibungen quasi enthoben ist.
Eine solche zahlenmäßig überschaubare Gruppe bildeten auch die Historiker, denen der Status einer transnationalen scientific community immer wieder zugeschrieben worden ist. Es wird gefragt, ob nicht gerade für Historiker dieser diskursive Raum ein besonderes Spannungsfeld war: Im Gegensatz zu Formalwissenschaften wie etwa der Mathematik sind sie nicht in internationalisierten (und somit standardisierten), sondern in nationalspezifisch geprägten Wissenssystemen beheimatet. Spielten aber nationale Dispositionen in diesem Raum noch eine Rolle, oder trafen hier nur mehr Einzelmeinungen aufeinander? Wie wurden plurale Identifikationen – als Historiker, als Angehöriger einer Nation – in diesem diskursiven Raum ausgehandelt und wie prägten sie ihn? Inwiefern unterlag ein solcher internationalisierter Raum generellen gesellschaftlichen und politischen Konjunkturen der Internationalisierung? Anhand des Beispieles der europäischen Historikergemeinschaft möchte der Beitrag erörtern, unter welchen Umständen man von diskursiven Räumen sprechen kann und wie sich darin Transferprozesse gestalteten.
 
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