Sonderforschungsbereich 640
Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Variationen des Anderen: Die Wahrnehmung ausländischer Bildungsmodelle in der argentinischen und chinesischen Modernisierungsdebatte
 
Verónica Oelsner und Barbara Schulte
 
Transfer in Bildung und vor allem Berufsbildung wurde für lange Zeit als die entweder erfolgreiche oder aber gescheiterte Übertragung technisch-administrativen Know-hows von einem Geber-Land in ein Empfänger-Land betrachtet. Nicht selten waren die Überlegungen zu Transfer dabei eingelagert in allgemeine Diskussionen über Entwicklungshilfe und -zusammenarbeit. Erfolge und Misserfolge wurden dabei vornehmlich als Organisationsprobleme dieser Zusammenarbeit erörtert. In unserem Beitrag geht es darum nachzuzeichnen, wie es – jeweils bezogen auf Argentinien und China – überhaupt zu bestimmten Transfers kommen konnte: Welche Ideen, welche Modelle erschienen den „Modernisierern“ in Argentinien und China vor dem Hintergrund ihrer eigenen, semantisch konstruierten „lokalen Umstände“ überhaupt als nachahmenswert oder transferwürdig? Wie wurden diese fremden Ideen auf der Grundlage eigener Verständniskategorien und Problemvorstellungen dekodiert und schließlich mit Blick auf ein „lokales Publikum“ wieder übersetzt? Wie lassen sich dabei die unterschiedlichen Kontexte Argentinien und China für eine breiter angelegte Transferdiskussion nutzbar machen?
In unserem Workshop-Beitrag wollen wir diesen Fragen anhand von konkreten Beispielen nachgehen. In den Modernisierungsdebatten Chinas und Argentiniens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert findet man vielfache Verweise auf das Ausland; auch die Auseinandersetzungen im Bereich der gerade erst im Entstehen begriffenen modernen Berufsbildung sind Teil dieses Phänomens. Mit Blick auf diese Auslandsreferenzen und Auseinandersetzungen soll für Argentinien eine gegen 1880 von zwei nationalen Bildungsbehörden geführte Diskussion betrachtet werden, in der um die Errichtung entweder von Gewerbeschulen (nach französischem Vorbild) oder von Landwirtschaftsschulen (nach US-amerikanischem Vorbild) gestritten wurde. Für China werden ausgewählte Artikel aus zwei (Berufs-)Bildungszeitschriften nach der Gründung der Chinesischen Gesellschaft für Berufsbildung im Jahr 1917 im Mittelpunkt stehen, in denen – oft in Form von Reiseberichten, aber auch als Übersetzungen ausländischer „Experten – ausländische Bildungsmodelle vorgestellt und diskutiert werden.
 
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