Sonderforschungsbereich 640
Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Die Mongolisierung des Sowjetsterns.
Ein Beispiel für die Rolle des Zufalls beim Transfer von Symbolen
 
Ines Stolpe
 
Der Sowjetstern war auf Plakaten und in Zeitschriften der nachrevolutionären Mongolei ebenso präsent wie andere transferierte Symbole der neuen Ordnung. Jedoch fand er die mit Abstand größte Resonanz und wurde aufgrund einer ursprünglich nicht intendierten Hybridisierung bald als nahezu eigene Repräsentation wahrgenommen.
Ähnlich wie in der frühen Sowjetunion war der fünfzackige Stern zunächst mit bekannten Zeichen kombiniert worden, führte aber bald ein überraschendes Eigenleben: Die Form evozierte ein mongolisches Konzept, das bislang nicht optisch dargestellt worden war. Somit gelangte eine bis dato abstrakte Vorstellung zu bildlicher Repräsentation, und zwar mit Hilfe eines importierten Symbols. Die Tradition trat dabei als unsichtbarer Referenzhorizont auf und verlieh eine positive Konnotation, die identitätsstiftend wirken konnte. Folglich gelang die sehr rasche positive Verankerung dieses revolutionären Symbols durch eine zufällige (und sehr gefällige) Resonanz des semantisch zuvor Existenten.
Wie häufig im sozialistischen Umfeld entstand parallel noch eine ironische Variante der Bedeutungszuschreibung, die wiederum ohne den Sowjetstern nicht denkbar wäre.
 
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