Die Fallstudie untersucht die Praxis des Reisens von westafrikanischen und französischen Politikern in und zwischen dem ehemaligen Afrique Occidentale Française (A.O.F.) und Frankreich, mit besonderer Berücksichtigung Senegals, von der Endphase der Kolonialzeit bis zu den ersten Jahren der Unabhängigkeit (1945-1965). Dieser Zeitraum war von sozialen und politischen Umwälzungen sowie einschneidenden institutionellen Reformen innerhalb Westafrikas geprägt. Die Fallstudie untersucht verschiedene Ebenen von Repräsentation, die auf der Bühne des Reisens aufgeführt und zelebriert werden. Auf den Spuren der Reisen von französischen Gouverneuren, Kommissaren, Ministern, Präsidenten und unabhängige Politikern, die unterschiedliche Regionen der A.O.F.-Territorien besuchten, von afrikanischen, gewählten Repräsentanten und „chefs coutumiers“, die nach Frankreich eingeladen wurden oder Delegationen in die Metropole entsandten, sowie von afrikanischen Parlamentariern der französischen Nationalversammlung sowie später afrikanischen Ministern und Präsidenten, die zwischen Westafrika und Frankreich hin- und herreisten, lassen sich politische Arenen der Produktion, Reproduktion und Verhandlung von Macht und Moderne erkennen. Die Symbole, Rituale und Praktiken, welche die politischen Handlungsträger auf diesen Reisen einsetzten sowie ihre Interaktion mit lokalen Kontexten spiegeln vielfältige Aspekte politischer und sozialer Ordnungen und ihrer Diskurse wider. Die Fallstudie trägt somit zum Verständnis der Problematik bei, wie Macht und verschiedene Konfigurationen von Moderne durch Repräsentation konstituiert und reflektiert werden und wie Repräsentation Machtverhältnisse in lokalen und translokalen Kontexten beeinflusst.